Verlust und Versagen machen glücklich

Klingt komisch? Ist es auch :D Gärtnern lehrt einem Demut. Und ich habe versprochen, auch von den Misserfolgen zu erzählen. Das hier ist so einer:
Es war mein erstes richtig gutes Erntejahr. Die Tomaten kamen schneller rein, als wir sie essen konnten, und ich war stolz wie sonst was. Statt einfach alles zu verschenken, wollte ich das machen, was "richtige" Gärtnerinnen eben tun: einkochen. Sugo für den Winter, in hübschen Gläsern, ordentlich beschriftet. Diese schönen Bilder habt ihr bestimmt auch schon irgendwo gesehen. Ich wollte das auch für mich. Stellte mir vor, wie hübsch diese Gläser im Keller aussehen würden, welche Freude es wäre, sie zu verschenken. Ach, ich war so blauäugig. Ich habe mir Zeit genommen, alles nach Anleitung gemacht – Gläser ausgekocht, Sauce stundenlang eingedickt, heiß abgefüllt. Ich war richtig zufrieden mit mir, als die Gläser abgekühlt im Regal standen. Ich war stolz auf mich.
Sechs Wochen später wollte ich das erste Glas öffnen. Und obendrauf: ein Flaum. Grau-grün, unmissverständlich Schimmel. Ich dachte, na gut, Pech gehabt, ein Glas. Aber dann das zweite. Und ein drittes hatte einen Deckel, der sich mit einem leisen Plopp einfach so abheben ließ, ohne jeden Widerstand.
Ich war ehrlich enttäuscht. Nicht nur wegen der Sauce – die war ja ersetzbar. Sondern weil ich wirklich dachte, ich hätte alles richtig gemacht. Ich hatte mich an die Anleitung gehalten. Ich hatte sauber gearbeitet. Wo also lag der Fehler?
Warum ich erst nicht verstanden habe, was schiefgelaufen ist
Ich habe tagelang gegrübelt und alles durchgespielt: War die Sauce nicht heiß genug beim Abfüllen? Standen die Gläser zu warm im Regal? Habe ich beim Kochen etwas vergessen? Ich habe mich durch Foren gelesen, bei denen jede zweite Antwort etwas anderes behauptete, und wurde nur noch unsicherer.
Was ich komplett übersehen hatte, war viel banaler – und lag buchstäblich in meiner Hand. Beim Zudrehen der Deckel war ich vorsichtig gewesen. Fast zu vorsichtig. Ich hatte irgendwo aufgeschnappt, man dürfe die Deckel nicht zu fest anziehen, sonst würden die heißen Gläser springen. Also hatte ich sie nur handfest zugedreht. Und aus Angst, etwas kaputt zu machen, habe ich genau das Gegenteil erreicht.
Der Punkt, den mir niemand vorher erklärt hatte
Das Geheimnis beim Einkochen ist nicht in erster Linie die Hitze, sondern der Unterdruck, der beim Abkühlen entsteht. Die heiße Luft im Glas zieht sich zusammen, und wenn der Deckel wirklich fest sitzt, saugt sich der Deckel förmlich an – das ist der berühmte Plopp-Test, mit dem man ein sicher verschlossenes Glas erkennt. Sitzt der Deckel aber zu locker auf, kann sich dieser Unterdruck gar nicht erst aufbauen. Es bleibt ein winziger Spalt, durch den Luft und mit ihr Keime hineinkommen. Genau das war bei mir passiert: kein Vakuum, keine Sicherheit, Schimmel.
Der zweite Punkt, den ich danach erst richtig ernst genommen habe: Hygiene hört nicht beim Auskochen der Gläser auf. Ich hatte mit den Fingern den Glasrand berührt, als ich die Sauce eingefüllt habe – eine Kleinigkeit, die aber reicht, um Keime an genau die Stelle zu bringen, die dicht halten soll.
Was seitdem bei mir anders läuft
Seit diesem Sommer mache ich es so:
Die Deckel drehe ich zu, so fest ich kann, ohne mir Sorgen ums Glas zu machen – gute Einkochgläser halten das locker aus. Den Glasrand fasse ich beim Abfüllen gar nicht mehr an, ich benutze einen sauberen Trichter, der genau dafür gedacht ist. Und nach dem Abkühlen prüfe ich jedes einzelne Glas: Deckel leicht andrücken – wippt er, kommt das Glas nicht ins Regal, sondern in den Kühlschrank und wird zeitnah aufgebraucht.
Das klingt jetzt fast zu simpel für das schlechte Gewissen, das ich mir damals gemacht habe. Aber genau das ist ja oft so mit Anfängerfehlern: Man sucht die Lösung im Komplizierten, dabei steckt sie in einer einzigen Handbewegung, die man beim ersten Mal einfach nicht kannte.
Und wenn ich spüre, dass ich an dem Abend, an dem die Tomaten verarbeitet werden sollten, keine Geduld für all das habe, friere ich das Sugo ein. Ich lasse es etwas abkühlen, fülle es in Plastiktüten und vakuumiere es. Die Tüten lassen sich flach drücken und platzsparend im Tiefkühler versorgen. Und beim Aufbrauchen ist es bereits vorportioniert. Das finde ich besonders praktisch, wenn es mal kleinere Portionen sein sollen.
Hast du auch so eine Geschichte – ein Glas, das nicht gehalten hat, was es sollte? Schreib’s mir gern, ich sammle die Sammlung unserer kleinen Küchen-Katastrophen liebend gern weiter.




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